Sozialpolitische Studienreihe

MOTIVATION UND EINLEITUNG

SITZUNGEN UND BESCHLÜSSE DER KOMMISSION ZUR LANGFRISTIGEN PENSIONSSICHERUNG

„Die Pensionskommission hat die Absicht, die Entwicklung des faktischen Antrittsalters zusammen mit den anderen Indikatoren, die im Kurzfristgutachten erhoben werden, jährlich zu kontrollieren – beginnend im Jahr 2012 bezüglich der Ergebnisse für 2011. Die Zahlen sind nach Pensionsarten, Altersgruppen und Geschlecht so aufzubereiten, dass die bestmögliche Aussagekraft damit verbunden ist. Sollte sich zeigen, dass die Zielsetzung einer Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters bei Berücksichtigung einer Anlaufphase nicht im gewünschten Ausmaß erreicht werden konnte, so werden spätestens im Zuge der Erstellung des gesetzlich aufgetragenen Gutachtens im Herbst 2013 verschärfende Maßnahmen zu diskutieren sein, um die Ziele zu erreichen.“

Dies ist der Beschluss der Kommission zur langfristigen Pensionssicherung vom 4. April 2011. Er ist die Konsequenz aus der Nachhaltigkeitsdiskussion im Generellen und im Speziellen aus der Frage, inwieweit eine nachhaltige Finanzierung durch Aufteilung auf die fünf im Gesetz genannten Steuerungsparameter (Antrittsalter, Bundesmittel, Beitragssatz, Pensionsanpassung, Steigungsbetrag) überhaupt sinnvoll und möglich ist. Die Kommission zur langfristigen Pensionssicherung gelangte dabei zur Ansicht, das primäre Zielobjekt zur Steuerung der Nachhaltigkeit sei die Anhebung des effektiven Pensionsantrittsalters. Dieses Vorhaben müsse zudem durch ein valides und umfassendes Monitoring dieses Steuerungsparameters begleitet werden.

In der Sitzung der Kommission vom 27. Oktober 2011 wurde sodann eine erste kurze inhaltliche Diskussion zu dem Thema Monitoring abgeführt, mit dem Ergebnis, in einer eigens dafür einzuberufenden Sitzung im 1. Quartal 2012 diese Frage auf Basis vorliegender Vorschläge neuerlich zu diskutieren. Daran anknüpfend sollten konkrete Zielsetzungen bezüglich der Inhalte für das beschlossene Pensionsantrittsaltermonitoring formuliert werden.

Die letztgenannte Sitzung fand am 26. März 2012 statt. Dabei formulierten die Kommissionsmitglieder verschiedene Wünsche nach differenzierten Darstellungen, die eine hohe Aussagekraft der verfügbaren Zahlen für die Analyse der tatsächlichen Entwicklungen und für darauf aufbauende Maßnahmen enthalten sollen. Daher versucht der Bericht, über die bloße Gegenüberstellung globaler Werte hinauszugehen, soweit dies aufgrund der bestehenden Datenlage möglich ist.

INHALTE DES MONITORINGBERICHTES 2011

Im Zentrum des Berichtes steht die Analyse des Pensionsantrittsverhaltens im Jahr 2011: Neben der detaillierten Darstellung des Hauptindikators „effektives (durchschnittliches) Pensionsantrittsalter“, welcher getrennt nach

  • Geschlecht,
  • Pensionsversicherungsträger,
  • Pensionsart,
  • Wohnsitz und nach
  • Altersgruppen

für das Jahr 2011 aufbereitet wird, werden ferner Zeitreihendaten ab dem Jahr 2005 primär in Bezug auf das Antrittsalter präsentiert. Zusätzlich werden begleitend dazu umfangreiche Hintergrundinformationen aus dem Bereich der gesetzlichen Pensionsversicherung geliefert.
Hierzu zählen insbesondere

  • Zahl der Anträge, Zuerkennungen und Ablehnungen,
  • Zahl und Höhe der neu zuerkannten Leistungen beim Pensionsneuzugang, getrennt nach Altersgruppen,
  • sowie Gebarungsdaten und weitere Leistungskennzahlen, wie z. B. Einkommensersatzraten.

Neben der Darstellung des durchschnittlichen Antrittsalters 2011 und dieser Hintergrundinformationen soll beim Monitoring des Antrittsalters nicht nur ein singulärer durchschnittlicher Wert ermittelt werden, sondern auch dazugehörige Verteilungskennzahlen.

Zu diesen zählen statistische Größen wie

  • der Median, der ein robustes statistisches Maß ist;
  • untere und obere Dezilswerte; und daraus abgeleitet
  • die Spannweite und sonstige Distributionskennzahlen.

Weitere, von der Kommission ebenfalls geforderte, Hintergrundinformationen betreffen demografische Aspekte. Hierbei sollen insbesondere Daten über die

  • Bevölkerung getrennt nach Altersgruppen und
  • die Entwicklung der Lebenserwartung

mit den Daten aus dem Bereich der Pensionsversicherung auf sinnvolle Art und Weise verknüpft werden.

Durch die Verknüpfung mit den demografischen Daten sollen zum einen allfällige noch verbleibende statistische Defizite bei der Ermittlung des durchschnittlichen Pensionsantrittsalters beseitigt werden: Es soll ein von der Stärke der jeweiligen Alterskohorten demografisch bereinigtes effektives Pensionsantrittsalter ermittelt werden, das vor allem eine unumstrittene Bewertung der Entwicklung im Zeitvergleich ermöglicht. Als alternativer Lösungsansatz dazu wird weiters der Versuch der Ermittlung eines „Kohortenantrittsalters“ präsentiert.

Zum anderen soll dadurch der Einstieg in eine Verknüpfung mit Erwerbsdaten (Beschäftigung, Arbeitslosigkeit) ermöglicht werden: Damit erfolgt der Übergang von einer eher deskriptiven Darstellung des effektiven Antrittsalters hin zu einer mehr analytischen Betrachtungsweise, vor allem in Bezug auf Fragen wie jene nach den möglichen Ursachen des frühen Pensionsantrittes einerseits bzw. nach den möglichen Einflussgrößen für eine Erhöhung desselben andererseits.

Diese erweiterten Analysen können freilich nur dann bewerkstelligt werden, wenn der Indikator „durchschnittliches Antrittsalter“ im Gegensatz zur derzeit üblichen aggregierten Berechnungsweise in zweierlei Hinsicht modifiziert wird:

  • durch eine exakte Berechnung des Antrittsalters zum jeweiligen Pensionsbeginn auf einer personenbezogenen Basis und
  • durch eine Beschränkung der Betrachtung auf jene Pensionsneuzugänge, deren Wohnsitz im Inland liegt, nur so kann ein Konnex zur Demografie und zur Erwerbssituation geschaffen werden.

Beim Einstieg in die analytische Betrachtung der Zugangsursachen stehen in erster Linie gesundheitliche Aspekte und arbeitsmarktrelevante Daten im Zentrum der Betrachtung. Es erfolgt daher eine Analyse der Zugangsdaten 2011 nach

  • Krankheitsgruppen im Bereich der Zugänge in eine Pension wegen geminderter Arbeitsfähigkeit,
  • den in den Neuzugangsdaten der Pensionsversicherungsträger vorhandenen Variablen über den Status der Neuzugänge bei Invaliditätspensionen (z. B. gelernt, angelernt, ungelernt),
  • nach den vielfältigen Übertrittsformen vom Erwerbsleben in den Ruhestand sowie
  • den durchschnittlichen Einkommensersatzraten beim Pensionsantritt.

Im Mittelpunkt dieses Analyseteils steht infolgedessen nicht nur die oben erwähnte Variable „durchschnittliches Pensionsantrittsalter“, sondern ein zusätzlicher, für die weitere Analyse äußerst maßgeblicher Indikator: das sogenannte „durchschnittliche Erwerbsaustrittsalter“, hier definiert als jenes Alter, zu dem letztmalig eine (versicherungspflichtige) Erwerbstätigkeit vorlag.

Dieses Alter kann unter Umständen erheblich vor dem Pensionsantrittsalter liegen, insbesondere dann, wenn dem Pensionszugang lange Episoden eines Bezuges von Geldleistungen aus der Arbeitslosenversicherung (z. B. Arbeitslosengeld, Notstandshilfe, Pensionsvorschuss) und/oder aus der Krankenversicherung (Krankengeld) vorangehen.

Von besonderem Interesse ist dabei vor allem die Differenz zwischen diesen beiden Größen, die im Bericht als „Übergangsdauer“ tituliert wird und in weiterer Folge eingehender dargestellt und analysiert werden soll.

Angesichts der Fülle an zu präsentierenden Daten und der darauf aufbauenden Analysen muss es natürlich bei diesem ersten Monitoringbericht auch zu Auslassungen kommen:

Keine oder bestenfalls eine nur geringe Betrachtung erfahren beispielsweise

  • regionale Aspekte,
  • Branchen- und Betriebsgrößeneffekte,
  • die Berufe der Neuzugangspensionistinnen und -pensionisten
  • (lediglich im Bereich der ArbeiterInnen bei der Pensionsversicherungsanstalt wird eine grobe Auswertung nach Berufen präsentiert),
  • Fragen nach der Staatsbürgerschaft bzw. nach dem Migrationshintergrund und
  • Fragen über mögliche innerfamiliäre Einflussfaktoren, wie etwa die Erwerbssituation im Familienverband,
  • sowie allfällige individuelle Freizeitpräferenzvorstellungen.

All diese Faktoren sind sicherlich interessant und möglicherweise für das derzeitige Pensionsantrittsverhalten nicht unerheblich, ihre Behandlung muss allerdings – sowohl aus Ressourcenmangel als auch aus einem Mangel an verfügbaren Daten – unterbleiben.

Insgesamt betrachtet versteht sich der Bericht als ein umfangreiches „Stock-Taking“ des Pensionsantrittsverhaltens des Jahres 2011, wie auch des Antrittsgeschehens im Zeitraum von 2005 bis 2011. Sowohl die Bestandsaufnahme in ihrer rein deskriptiven Form als auch der Einstieg in die tiefergehende Analyse dienen dazu, das zukünftige Monitoring des Pensionsantrittsgeschehens auf eine valide und einwandfrei interpretierbare Basis zu stellen.

STRUKTUR DES MONITORINGBERICHTES

Im Zentrum des Berichtes steht das „effektive Pensionsantrittsalter“ (abwechselnd auch „durchschnittliches Pensionsantrittsalter“ genannt) der Pensionsneuzugänge des Jahres 2011. Dieses wird quer über den gesamten Bericht hinweg – quasi als roter Faden – sowohl als deskriptive Variable

  • als einfache Kennzahl,
  • getrennt nach Subgruppen (z. B. Pensionsversicherungsträger, Pensionsart, Alter etc.),
  • im Zeitablauf,
  • in erweiterter Form mittels Verteilungskennzahlen,
  • in bereinigter Form als kohortenunabhängiges Maß,
  • als auch als Analysevariable im Zusammenwirken mit anderen wichtigen Variablen (Krankheitsgruppen, Übertrittsform und Dauer des „Übergangs“)

präsentiert.

Die jeweiligen Daten dazu finden sich im Textteil und – in erweiterter Form – in dem angefügten Tabellenteil. Daten, die im Tabellenband zu finden sind, sind jeweils mit „Übersicht“ und Nummer im Fließtext vermerkt, Tabellen und Grafiken, die im Bericht selbst zu finden sind, sind jeweils mit „Tabelle“ und „Grafik“ inklusive Nummerierung angeführt.

Beide – Bericht und Tabellenteil – werden wiederum wie bereits erwähnt durch vielfältigste Hintergrundinformationen ergänzt. Diese Informationen werden im Allgemeinen in eigenen Abschnitten bereitgestellt und solcherart als Hintergrundinformation entsprechend bei den jeweiligen Kapitelüberschriften gekennzeichnet.

Zusätzliche ergänzende Informationen – im Sinne eines umfassenden Wissensmanagements – werden ebenfalls in den Textteil inkludiert und ebenso als solche extra gekennzeichnet. Dazu zählen beispielsweise Informationen über die Art und Weise der Berechnung bestimmter Parameter, aber auch andere als notwendig betrachtete Erläuterungen wie etwa die Struktur und Zusammensetzung der Neuzugangsdaten.

In einem Abschlusskapitel erfolgt des Weiteren

  • eine Bewertung der präsentierten Kennzahlen zum „effektiven Pensionsantrittsalter“ sowie
  • eine Zusammenfassung und Bewertung der wichtigsten sonstigen Analyseergebnisse.

Darüber hinaus finden sich bei den jeweiligen Abschnitten kurze Zusammenfassungen der präsentierten Daten.

AUSBLICK

Der nun vorliegende, im Jahre 2012 erstellte Monitoringbericht enthält zahlreiche Daten, die der Einstiegsinformation und der Darstellung von Zusammenhängen dienen. Einige dieser Darstellungen gehen über die Frage des Pensionsantrittsalters weit hinaus und sind überdies in anderen Publikationen ebenfalls enthalten.

Eine jährliche Wiederholung dieser Zusatzinformationen im Monitoringbericht erscheint deshalb zu aufwendig. Der Bericht wird sich daher in den folgenden Jahren auf jene Daten konzentrieren, die unmittelbar das Pensionsantrittsalter betreffen. Die Daten sollen geeignet sein, um eine größtmögliche Aussagekraft des Berichtes sicherzustellen. Die Differenzierungen werden von der Kommission jeweils festzulegen sein.