Sozialpolitische Studienreihe

Zusammenfassung EU-SILC 2008

EU-STATISTIK ZUR SOZIALEN EINGLIEDERUNG

EU-SILC (Statistics on Income and Living Conditions) ist eine Statistik über Einkommen und Lebensbedingungen von Privathaushalten in Europa. Sie wird auf Basis einer EU-Verordnung in allen Mitgliedstaaten erstellt, um gemeinsame Indikatoren für soziale Eingliederung zu berechnen. Darüber hinaus bildet EU-SILC eine wichtige Grundlage für die europäische Sozialstatistik und die nationale Armutsberichterstattung. Die Erhebung 2008 wurde in Österreich im Auftrag des BMASK durch Statistik Austria durchgeführt.

MEDIAN DES ÄQUIVALENZEINKOMMENS LIEGT BEI 1.584 € PRO MONAT

Für die Betrachtung des Lebensstandards wird üblicherweise das Äquivalenzeinkommen (bedarfsgewichtetes Netto-Pro-Kopf-Einkommen) verwendet. Der Erhebung EU-SILC 2008 zufolge liegt der Median des Äquivalenzeinkommens bei 19.011 € pro Jahr oder 1.584 € pro Monat (bedarfsgewichtetes Netto-Pro-Kopf-Einkommen, 12x pro Jahr). Die Einkommen von Ein-Eltern-Haushalten (24% weniger als der Median der Gesamtbevölkerung) und Mehrpersonenhaushalten mit drei und mehr Kindern (22% weniger) liegen besonders deutlich darunter. Alleinlebende Pensionistinnen haben einen um 21% niedrigeren Lebensstandard. Personen ohne österreichische und EU/EFTA-Staatsbürgerschaft haben im Vergleich das niedrigste Äquivalenzeinkommen (27% weniger), eingebürgerte Österreicherinnen und Österreicher einen noch immer deutlich unterdurchschnittlichen Lebensstandard (rund 20% unter dem Median der Durchschnittsbevölkerung). Personen mit Pflichtschule als höchstem Bildungsabschluss haben ein um 16 Prozent niedrigeres Äquivalenzeinkommen als die Durchschnittsbevölkerung. Ein überdurchschnittlicher Lebensstandard zeigt sich bei höheren Bildungsabschlüssen (+3% bei Lehr- bis +35% bei Universitätsabschluss) und bei starker Einbindung des Haushalts in den Arbeitsmarkt (+17% bei voller Erwerbsintensität).

OBERSTES EINKOMMENSZEHNTEL VERFÜGT ÜBER 22%, UNTERSTES ÜBER 4% DER ÄQUIVALENZEINKOMMEN

Im Vergleich des obersten mit dem untersten Einkommenszehntel hat das oberste Einkommenszehntel mindestens 33.270 € Äquivalenzeinkommen, das unterste Einkommenszehntel weniger als 10.653 € zur Verfügung. Personen im obersten Einkommenszehntel steht somit ein mehr als dreimal so hohes Äquivalenzeinkommen zur Verfügung wie Personen des untersten Einkommenszehntel. In Summe verfügt das oberste Einkommenszehntel über 22% der gesamten Äquivalenzeinkommen, das unterste über etwa 4%.

12,4% DER BEVÖLKERUNG IN ÖSTERREICH ARMUTSGEFÄHRDET

Die aktuelle Armutsgefährdungsschwelle für einen Einpersonenhaushalt beträgt laut EU-SILC 2008 951 € pro Monat. In Österreich sind 12,4% der Bevölkerung armutsgefährdet (bzw. mit 95% Vertrauenswahrscheinlichkeit zwischen 11,4% und 13,3%). Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung liegt die Zahl der armutsgefährdeten Personen zwischen rund 940.000 und 1,1 Millionen. Das Äquivalenzeinkommen armutsgefährdeter Haushalte liegt im Mittel um 146 € unter der Armutsgefährdungsschwelle, die Armutsgefährdungslücke beträgt somit 15,3%. Das höchste Armutsrisiko besteht für Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft. Auch bei bereits Eingebürgerten aus Drittstaaten bleibt die Armutsgefährdungsquote deutlich über dem Bevölkerungsschnitt. Ebenfalls stark armutsgefährdet sind Personen in Ein-Eltern-Haushalten. Frauen leben häufiger allein als Männer und haben daher öfter ein Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle. Gute Ausbildung, österreichische Herkunft und das Leben in Mehrpersonenhaushalten mit bis zu zwei Kindern sind Merkmale, die mit unterdurchschnittlicher Armutsgefährdung einhergehen.

492.000 PERSONEN GELTEN ALS MANIFEST ARM

Rund die Hälfte der armutsgefährdeten Menschen ist gleichzeitig mit finanzieller Deprivation konfrontiert und wird als „manifest arm“ bezeichnet. Das entspricht hochgerechnet 492.000 Personen oder 6% der Wohnbevölkerung. Armutsgefährdete ohne größere Einschränkungen in der Lebenssituation werden als „von Einkommensmangel betroffen“ bezeichnet. 14% der Bevölkerung haben zwar ein Einkommen über der Armutsgefährdungsschwelle, sind aber finanziell depriviert, d.h. sie sind von „Teilhabemangel“ betroffen. Die restlichen 74% der Bevölkerung haben nach dieser Definition keinen Mangel.

QUOTE DER DAUERHAFT ARMUTSGEFÄHRDETEN LIEGT BEI 5%

Erstmals können im Bericht zu EU-SILC 2008 auch Längsschnittauswertungen für die Jahre 2004 bis 2007 präsentiert werden. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung (27%) befand sich zumindest einmal in diesen vier Jahren unter der Armutsgefährdungsschwelle. 5% der Personen, die während der ersten vier Jahre an der Erhebung EU-SILC teilnahmen, sind als dauerhaft armutsgefährdet zu bezeichnen. Das heißt ihr äquivalisiertes Jahreseinkommen lag sowohl im Jahr 2007 als auch in mindestens zwei der vorangegangenen drei Jahre unter der Armutsgefährdungsschwelle. Besonders ältere Menschen mit Pensionen unter der Armutsgefährdungsschwelle sind von hoher Persistenz der Armutsgefährdung betroffen.

DYNAMIK VON ARMUTSGEFÄHRDUNG

Von den 13% Armutsgefährdeten im Jahr 2006 kann bei 48% im Jahr 2007 ein Austritt aus der Armutsgefährdung beobachtet werden. Besonders armutsgefährdete junge Menschen bis 19 Jahre, Personen mit EU- und EFTA-Staatsbürgerschaft sowie Mehrpersonenhaushalte mit zwei Kindern haben eine überdurchschnittliche Chance, im Folgejahr ein Einkommen über der Armutsgefährdungsschwelle zu erzielen. Umgekehrt haben junge Menschen bis 19 Jahre auch ein 1,5-faches Risiko im Folgejahr in Armutsgefährdung zu geraten. Personen in Ein-Eltern-Haushalten haben das höchste Risiko in Armutsgefährdung einzutreten. Ihr Risiko im Folgejahr armutsgefährdet zu sein, wenn sie es noch nicht sind, ist viermal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.

RUND DIE HÄLFTE DER BEVÖLKERUNG LEBT IN VERSCHULDETEN HAUSHALTEN

Im diesjährigen Modul zur Erhebung EU-SILC 2008 wurden erstmals Überschuldung und finanzielle Ausgrenzung thematisiert. Schulden sind in Österreich weit verbreitet: Insgesamt lebt rund die Hälfte der Bevölkerung in Haushalten mit Kreditverbindlichkeiten. Meist werden Kredite für die Beschaffung von Wohnraum aufgenommen. Die Häufigkeit von Verschuldung nimmt mit dem Alter ab und erhöht sich mit steigendem Einkommen. Überdurchschnittlich oft verschuldet sind zudem Mehrpersonenhaushalte mit Kindern.

ÜBERSCHULDUNG TRIFFT BESONDERS RISIKOHAUSHALTE

Die Tatsache, Zahlungen nicht fristgerecht begleichen zu können, gehört für 9% der Bevölkerung zum Alltag. Überproportional betroffen sind dabei jüngere Personen, Ein-Eltern-Haushalte, Familien mit drei und mehr Kindern, Drittstaatsangehörige, Personen mit geringer Ausbildung, Mitglieder von Privathaushalten mit keiner bzw. eingeschränkter Erwerbstätigkeit sowie Personen mit geringem Einkommen (armutsgefährdete oder manifest arme Menschen). Der mittlere Anteil des aktuellen Zahlungsrückstandes liegt bei 65% des gesamten verfügbaren monatlichen Haushaltseinkommens.

2% OHNE BANKKONTO

Von einem erschwerten Zugang zu finanziellen Basisdienstleistungen wie einem Konto, einer Versicherung und einem einfachen Kredit sind in Österreich vor allem ältere Personen, Personen mit einem geringen Einkommen und Personen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft betroffen. Insgesamt gaben 2008 hochgerechnet 2% der Bevölkerung in Österreich an, im Haushalt über kein Bankkonto zu verfügen.