Sozialpolitische Studienreihe

Zusammenfassung

Die jährliche Veröffentlichung zur Erhebung EU-SILC stellt zentrale Ergebnisse zu Einkommen, Armutsgefährdung und Lebensbedingungen österreichischer Privathaushalte dar. Mit dem vorliegenden Bericht werden Analysen und ausführliche Tabellen für das Erhebungsjahr 2009 präsentiert und damit die Berichterstattung der Vorjahre aktualisiert. Neben Detailanalysen für das Jahr 2009 finden sich ausgewählte Ergebnisse zu Einkommen und Armutsgefährdung im Trend seit 2004 sowie Längsschnittauswertungen für die Jahre 2005 bis 2008. Neu hinzugekommen ist ein Kapitel zu den Indikatoren der Europa 2020 Strategie. Weiters wurde der im Auftrag des BMASK erstellte und im Vorjahr publizierte Katalog zu nationalen Eingliederungsindikatoren aktualisiert.

EU-SILC (Statistics on Income and Living Conditions) ist eine Statistik über Einkommen und Lebensbedingungen von Privathaushalten in Europa und bildet eine wichtige Grundlage für die Europäische Sozialstatistik. Zentrale Themen sind Einkommen, Beschäftigung und Wohnen sowie subjektive Fragen zu Gesundheit und finanzieller Lage, die es ermöglichen, die Lebenssituation von Menschen in Privathaushalten abzubilden. EU-SILC ist auch die zentrale Quelle zur Erhebung der vom Europäischen Rat verabschiedeten Indikatoren zur Messung von Armut und sozialer Eingliederung (vormals bekannt als Laeken-Indikatoren). EU-Verordnungen bilden die rechtliche Grundlage für die Erhebung, die seit 2008 zu 100% vom BMASK finanziert wird.

In Österreich wurde EU-SILC erstmals 2003 als einmalige Querschnitterhebung von Statistik Austria durchgeführt. Ergebnisse werden seitdem jährlich in Form eines Berichts sowie als Artikel zu Schwerpunktthemen in den Statistischen Nach­richten publiziert. Zudem werden die anonymisierten Mikrodaten an interessierte ForscherInnen abgegeben, seit 2008 sind die NutzerInnendaten für Forschung und Lehre kostenfrei zu beziehen.

Im Jahr 2004 begann eine integrierte Längs- und Querschnitterhebung – das heißt jeweils rund drei Viertel der Haushalte werden auch im Folgejahr wieder befragt, ein Viertel der Stichprobe kommt jährlich neu hinzu. Im Jahr 2007 wurde die integrierte Quer- und Längsschnitterhebung erstmals voll implementiert. Das heißt, dass mit dem Datensatz 2004-2007 erstmals ein 4-jähriger Längsschnitt auswertbar war. 2008 und 2009 wurde das Rotationsdesign wie gehabt fortgesetzt.

Grundlage für die Ausgangsstichprobe des jeweils neuen Viertels ist das Zentrale Melderegister. Die Ziehung erfolgte 2009 in einer geschichteten und zweistufigen Wahrscheinlichkeitsstichprobe aus dem ZMR. Alle Personen eines Haushaltes ab 16 Jahren wurden persönlich befragt. Zusätzlich wurden grundlegende Informationen zu Kindern erhoben. Die Erhebung EU-SILC 2009 wurde wie im Vorjahr vollständig von der Erhebungsinfrastruktur der Statistik Austria durchgeführt. Die Interviews wurden durch persönliche (CAPI) und telefonische (CATI) Befragungen erhoben.

Bei einer Bruttostichprobe von insgesamt 8.383 Adressen beruhen die Auswertungen für 2009 auf Daten von 5.878 teilnehmenden und für den Enddatensatz akzeptierten Haushalten, in denen insgesamt 13.610 Personen lebten. Davon waren 2.548 Personen unter 16 Jahre alt, 11.062 16 Jahre oder älter. Von den 11.062 Personen wurden 4.910 Personen durch CAPI-Interviews persönlich befragt, 3.561 Personen durch CATI-Interviews. Insgesamt wurden 2.473 Proxyinterviews durchgeführt, 1.255 mittels CAPI- und 1.218 mittels CATI-Technik. 1.153 Haushalte wurden zum vierten Mal, 1.257 zum dritten Mal, 1.452 zum zweiten Mal und 2.016 zum ersten Mal befragt.

EU-SILC ist eine für Österreich repräsentative Stichprobenerhebung – je kleiner die untersuchten Gruppen desto ungenauer sind die auf die Grundgesamtheit hochgerechneten Werte. Dies betrifft auch die Ergebnisse für Bundes­länder. Aufgrund der starken Nachfrage nach regionalisierten Ergebnissen werden diese Ergebnisse auch im diesjährigen Bericht veröffentlicht, auf die gebotene Vorsicht bei der Interpretation muss jedoch ausdrücklich hin­gewiesen werden. Mitunter sehr deutliche Unterschiede zum Vorjahr sind in Hinblick auf die statistische Schwankungsbreite in der Regel nicht signifikant.

Der Textteil folgt mit einigen Modifikationen der Gliederung der Vorjahre. Die verwendeten Definitionen und Hinweise zur Berechnung der dargestellten Indikatoren und Gliederungsmerkmale sowie eine Übersicht über die wesentlichsten Änderungen im Vergleich zum Bericht zu EU-SILC 2008 sind im Abschnitt „Erläuterungen und Definitionen“ am Ende dieser Publikation nachzuschlagen.

Der Bericht „Methoden und Vergleiche zu EU-SILC 2009“ und der umfassende Tabellenband zu EU-SILC 2009 werden als separate Publikationen auf der Homepage von Statistik Austria (und der des BMASK) zur Verfügung gestellt.

www.statistik.at> Statistiken > Soziales > Armut und soziale Eingliederung.

Der online publizierte „Tabellenband zu EU-SILC 2009“ umfasst folgende Themen:

  • Einkommensverteilung
  • Ausstattung mit Konsumgütern und finanzielle Einschränkungen
  • Wohnen
  • Gesundheit
  • Armutsgefährdung und soziale Ausgrenzung inkl. Tabellen zur EU 2020 Zielgruppe und dauerhafter Armutsgefährdung
  • Lebenszufriedenheit
  • Bildung
  • Kinderbetreuung
  • Arbeit
  • Risikogruppen
  • Verteilung von Bestandteilen des Jahreseinkommens
  • Materielle Deprivation (Modul 2009)

Differenzierte methodische Informationen zur Erhebung sind in der Publikation „Methoden und Vergleiche zu EU-SILC 2009“ enthalten (ebenfalls auf der Homepage abrufbar), in der auch die Qualität der Ergebnisse geprüft wird. Dies ist somit wesentlicher Bestandteil der durch EU-Verordnungen geregelten Qualitätssicherung. Darin werden auch Neuerungen gegenüber dem Vorjahr zu­sammen­gefasst und Vergleiche mit anderen Datenquellen präsentiert.