Sozialpolitische Studienreihe

Zusammenfassung

Dieser von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeit (FORBA) erstellte Bericht ist als Follow-up einer 2010 publizierten Studie angelegt (Eichmann et al. 2010). Ebenso wie vor vier Jahren geht es in dieser Analyse darum, auf Basis von Sekundäranalysen zur existierenden Datenlage einen detaillierten, dennoch überschaubaren Überblick über wesentliche Strukturen von Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen in Österreich zu liefern. Die markanteste Zäsur der letzten Jahre war die 2008 einsetzende Finanz- und Wirtschaftskrise. In welcher Hinsicht lassen sich dabei Folgen auf Erwerbstätige – abseits der bekannten Zahlen zu Wirtschaftswachstum oder Arbeitslosigkeit – beobachten? In der Bewertung der empirischen Daten werden dahin gehende Auswirkungen in allen Kapiteln berücksichtigt, vor allem in Form von Zeitvergleichen bei Ausprägungen bestimmter Merkmale, wie z. B. Stand der Beschäftigung oder Ausmaß der Autonomie am Arbeitsplatz.

Aufgrund diverser Unschärfen bei der Verwendung des Begriffs „Arbeitsbedingungen“ folgt das Vorgehen der üblichen Praxis (sowie der Struktur der Vorgängerstudie), direkt auf zentrale Merkmalskombinationen von Erwerbsarbeit Bezug zu nehmen. Der Bericht ist in sieben inhaltliche Kapitel gegliedert und liefert differenzierte Darstellungen zu 1. Beschäftigungsformen, 2. Arbeitszeiten (und Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Privatleben), 3. Einkommen, 4. Arbeitsorganisation (und Mitbestimmung), 5. Arbeits- und Gesundheitsbelastungen, 6. Aus- und Weiterbildung sowie 7. Arbeitszufriedenheit. Der Fokus der Analysen zu einzelnen Merkmalen ist jeweils auf bestimmte Ausprägungen, Verteilungen und (soweit möglich) auf Veränderungen im Zeitablauf gerichtet. Darüber hinaus enthalten alle Kapitel europäische Vergleichsdaten zur Einordnung Österreichs im EU-Kontext. In einer Zusammenfassung (Kapitel 8) werden die gesammelten Ergebnisse nochmals in Form generalisierender Aussagen zur Entwicklung der einzelnen Aspekte von Arbeitsbedingungen in Österreich und im EU-Vergleich wiedergegeben. Hinzuweisen ist darauf, dass aufgrund der Themenstellung der Rahmen dieses Berichts dadurch abgesteckt ist, dass im Wesentlichen Erwerbstätige und deren berufliche Rahmenbedingungen analysiert werden. Dafür maßgebliche Einflussfaktoren wie Institutionen des österreichischen Arbeitsmarkts oder des weiter gefassten wohlfahrtsstaatlichen Systems sind dagegen nicht oder nur am Rande Gegenstand der Analysen.

Die Dokumentation und Interpretation der relevantesten Repräsentativerhebungen zu den aufgeworfenen Themenbereichen macht den Hauptteil dieser Studie aus. Während die Wiedergabe möglichst repräsentativer Befunde geeignet ist, einen guten Überblick über wesentliche Strukturen von Arbeitsbedingungen zu geben, soll nicht verschwiegen werden, dass die Darstellung von quantitativen Ergebnissen zur österreichischen Erwerbsbevölkerung häufig verdeckt, dass sich unterhalb von Durchschnitts- und Mittelwerten für alle Befragten eine ausgesprochen heterogene Erwerbslandschaft verbirgt, mit zum Teil großen Differenzen zwischen einzelnen (Sub-)Branchen, Berufsgruppen, Beschäftigungsformen, Betriebstypen oder Bundesländern. Überblicksberichte wie der gegenständliche sind insofern der Kritik ausgesetzt, dass die Vielfalt ungleicher bzw. heterogener Arbeitswelten gegenüber einer vereinfachenden Sicht auf Durchschnittswerte (notgedrungen) in den Hintergrund tritt. Dieses Manko sowie den generellen Überhang des quantitativen Materials im Bericht versucht das Forschungsteam aufzulockern, indem es in allen Kapiteln interessante Ergebnisse in Form von „Boxen“ präsentiert, die vor allem qualitatives Fallstudienmaterial aus unterschiedlichen Berufsfeldern enthalten.

Als empirisches Material wurden überwiegend jene Repräsentativdatensätze herangezogen, mit denen sich für die österreichische Gesamterwerbsbevölkerung die vergleichsweise verlässlichsten Aussagen treffen lassen – bzw. jene Erhebungsprogramme, die auf Basis möglichst identer Indikatoren wiederholt durchgeführt werden, um Veränderungen im Zeitablauf erfassen zu können. Hervorzuheben sind in dieser Hinsicht die vierteljährliche Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria (AKE) sowie der jeweils im Abstand von fünf Jahren durchgeführte European Working Conditions Survey (EWCS) der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound). Die Charakteristika dieser beiden Datensätze sowie einer Anzahl weiterer relevanter Erhebungsprogramme sind in Annex 1 beschrieben. Ergänzend dazu werden in Annex 2 an die 40 EWCS-Variablen zu Arbeitsbedingungen wiedergegeben; der Längsschnittvergleich (1995 bis 2010) ist hier so aufgebaut, dass neben den Veränderungen im Zeitablauf für Österreich auch eine Gegenüberstellung mit dem Durchschnitt der EU-15 sowie ein Vergleich der Geschlechter geboten werden.[1]

In Summe sind die inhaltlichen Erörterungen in den sieben Kapiteln dieses Berichts um etwa 50 % länger als in der Vorgängerstudie. Allein deshalb ging es nicht bloß um eine Aktualisierung der Daten auf den neuesten Stand, d. h. mit Material aus 2012 bzw. soweit vorhanden 2013. Demgegenüber wurde die Follow-up-Studie so gestaltet, dass trotz weitgehend identer Gliederung mehr als 90 % der jeweiligen Texte neu verfasst wurden. Aus der Vorgängerstudie wurden lediglich jene Textteile übernommen, für die es kein neues empirisches Datenmaterial gibt bzw. bei denen es sich um Passagen zur Erklärung bestimmter Begriffe und theoretischer Konzepte handelt.


[1] Internationale Vergleichsdaten sind in diesem Bericht in erster Linie auf die EU-15 ausgerichtet, d. h. auf die „alten“ EU-Staaten. Dies ist insbesondere dem mit Österreich vergleichbaren Wohlstandsniveau geschuldet, das für viele der neuen EU-Staaten (noch) deutlich niedriger ausfällt. Ungeachtet dessen werden viele Befunde zum Vergleich mit den EU-27 bzw. EU-28 herangezogen.